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Café Sputnik - electronic exotica from russia

Das Geburtsjahr der elektronischen Musik war 1920. In diesem Jahr stellte der junge russische Physiker Lev Sergejewitsch Termen das Theremin, welches er ein Jahr früher erfunden hatte, in Moskau vor. Termen verstarb 1993 im Alter von 97 Jahren. Zwischen Mitte der Fünfziger Jahre und 1990 entstanden in Russland Hunderte elektronische Stücke, vielfach vom Ensemble Mescherina. Weitgehend ohne grössere Repressionen der russischen Regierung, welche die elektronische Musik für ideologisch unbedenklich einstufte. In den Siebzigern wurden viele der russischen SiFi-Filme mit dieser Musik verfilmt; Sondtracks zwischen Easy Listening, Electronic Psychedelica und Beatmusik. Auch aus diesem reichen Fundus schöpft die heutige Generation russischer Elektronik-Künstler.

Soviel zur Geschichte. Dieses Album bietet einen wunderschönen Einblick in das aktuelle Schaffen einiger Künstler sowie einige Klassiker. Ein grosser Teil der Songs sind reine Instrumentals oder haben «nur« ein paar Stimm- und Gesangsfetzen.

«Tchaikovsky Beat», ein zerpflückter Nussknacker, demonstriert gleich am Anfang Messer Chups Vorlieben für B-Movies. Eine wundersame mischung zwischen Klassik und Surfsound. In Richtung Lounge geht das sanfte «Sea Cruise», eine sanfte Briese vom Meer. Verspielt ist «The Best Girl in The USSR», teilweise in deutsch und russisch gesprochen, irgendwie an einen Trick- oder Stummfilm erinnernd. Auf dem Album hat es zu diesem Song einen Videoclip.

An ein russisches Volksorchester erinnert «Folk Song» von Dima Vikhornov. Akkordeon, Bass, irgendwelche «Phüüs» und «Päähs» sowie Klangfetzen eines russischen Chores. «Wind of freedom» ist einer der wenigen Songs. Aber auch hier mischen sich immer wieder sphärische Klänge ein. Sehr verspielt ist «Morning on the Planet» von Kim & Buran. Der Name seines Albums «Kosmos for children» ist Programm. Wieder ein wenig volkstümlicher geht es bei «Gypsy Band up to the sky» zu und her; wird hier doch gleich eine Gypsyband in den Himmel geschossen. Das man mit über fünfundsechzig noch nicht zum kosmischen Alteisen zählt beweisen die beiden DJs Boris (67) und Georgi (66) des Kollektives Krugozory. Heldenmärsche prallen auf Kinderlieder.

Eine kleine elektronische Polka ist, ähh, «Polka». Ein weiteres Stück bei dem gesungen wird ist «In Three Hands»; Elektro-Pop auf westlichen Niveau. Im gleichen Gefilde schwimmt «No Name Rock'n Rol», als Inspiration dienten hier europäische Filme der Sechziger. Von Dzuma stammt «Cartoons». Sie nennen es Easy-Punk. Von Punk habe ich bei diesem Stück nichts gemerkt; Eher ein Song um die Seele baumeln zu lassen. Typisch MFM ist «Intim Service Cosmique». Elektronische, verspielte Melodien der 60'er. Noch ein Song ist «A Little Bit Of Nothing»; Ein sanftes Etwas. Zu diesem Song liegt dem Album ein Flash-Vido bei. «Kyoto (Version 3)» von Netslov, komplexe Melodien, stilistisch offen erinnert in seiner Machart ein wenig an Gotan. Eine einfach Melodie überlagert sich langsam in ein komplexes Soundgebilde, wird wieder einfacher, verschwindet in Scratchs, baut sich wieder auf; Wunderbar zum zuhören.

Einen Ausflug zum Brasil-Electro, unterlegt mit Balalaika und einem russischen Chor, machen wir mit Igor Vdovin's «Russian Sailor's Trip In Brazil». Auch Notkin benutzt bei seinem «Tanzania» brsilianische Pianoklänge gepaart mit einem polkahaften Gebläse. Die satten Bässen bei «SoftTransAuto» habe etwas von Gotan, ist aber auch eher auf der brasilianischen Seite zu suchen.

Irgendwo zwischen Surfbrettern und der Adams Family liegt «Let's Ride A Carousel». Messer Chups Vorliebe für bezaubernde, dunkelhaarige und geheimnisvolle Gastsängerinnen kommt hier mit einer wunderschönen Stimme zum Zuge. Mit «It's Frosty Outside» sind wir in den Tiefen der Sechziger gelandet.

Fazit:
Wer hier irgend was wie Techno erwartet, soll lieber gleich weghören. Wer jedoch offen für neues ist, verspielte Melodien mag und auch mal witziges für die Tanzfläche mag, soll ruhig mal reinhören. Einen Narren habe ich mir ja schon vor einiger Zeit an Messer für Frau Müller gefressen. Darum habe ich auch einen verbalen Salto geschlagen als ich gleich zwei Songs von Ihnen hier entdeckte. Und gleich noch zwei von Messer Chups.

Informationen zu Lev Sergejewitsch Termen und seinen Erfindungen (zB Abhörwanzen für den KGB) findet Ihr beim Wiki.

Wertung: 5.5 von 6.0 Punkten

25.8.2005 Pe; Update 25.8.2005 Pe

Café Sputnik - electronic exotica from russia

CD2005
Song:Interpret:Zeit:
1Tchaikovsky BeatMesser Chups00:03:35
2Sea Cruise (O.M.F.O. feat Sputnik)Our man from Odessa00:06:34
3The Best Girl in The USSRMesser für Frau Müller00:03:05
4Folk SongVikhornov, Dima00:03:17
5Wind of FreedomNetslov00:04:45
6Morning on the PlanetKim & Buran00:03:24
7Gypsy Band up to the skyVdovin, Igor00:04:13
8Nursery RhymeDJs Krugozory00:03:31
9PolkaSnegopady00:01:34
10In Three HandsKostrow, Oleg00:03:18
11No Name Rok 'n RolZuev, Andrei00:02:37
12CartoonsDzuma00:02:14
13Intim Service CosmiqueMesser für Frau Müller00:04:06
14A Little Bit Of NothingNezhnoye Eto00:01:37
15Kyoto (Version 3)Netslov00:04:33
16Russian Sailor's Trip In BrazilVdovin, Igor00:04:30
17TanzaniaNotkin00:03:39
18SoftTransAutoOur man from Odessa00:04:50
19Let's Ride A CarouselMesser Chups00:02:47
20It's Frosty OutsideEnsemble Mescherina00:02:09
Konzerte:Zeigen: [ alle | ab heute ]
 
Datum:Veranstaltung:Ort:
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 Label:
Eastblok Music
Vertrieb:Schweiz: RecRec medien
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25.8.2005 Pe; Update 25.8.2005 Pe Zurück
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